Koitalk Koifutter

Koifutter

Wenn ich so die letzten Jahre zurück denke gibt es wohl wenige Sachen, die so viele Aspekte mit sich bringen wie die Theorie darüber, was das richtige Koifutter ist und welches wohl das beste Koifutter sein soll. Je nach Herkunft der Aussagen, ist auch die Motivation für diese Theorien eine völlig andere, ja eine diametral entgegengesetzte.

Koifutter ist für den Handel einer der wichtigsten Verkaufsartikel. Stellt euch einmal vor womit ein Koihändler / Internetshop / Gartencenter Geld verdienen kann.

Wenn der Teich funktioniert und die Fische gesund sind, dann nur noch an Futter und Wasserzusätzen (die man vermeindlich braucht, dazu in einem anderen Beitrag mehr).

Demnach ist das Futter für den Handel besonders wichtig. Nur hat der Handel eine andere Perspektive und die nennt sich Marge. Marge ist die Differenz zwischen dem EK und dem VK.

D.h. ich versuche ein Futter zu finden, das optimal für meine Koi ist, und der Handel versucht ein Futter zu finden, das ihm die optimale Marge bietet (natürlich denken nicht alle so (hoffe ich)). Dass das nicht unbedingt zum gleichen Ergebnis führt, liegt auf der Hand.

Das ist für mich als Kunden natürlich ein Dilemma. Schön wäre, wenn es Futtertests gäbe, an denen man sich orientieren kann – gibt es, aber leider sind die Ergebnisse nicht öffentlich.

Also muss ich das Thema anders angehen.

Was frisst ein Karpfen in der Natur?

Er gründelt im Teichschlamm und nimmt auf, was er dort findet. Das sind vor allem Kleinstlebewesen, aber auch Pflanzen- und Algen.

Früher habe ich immer gedacht, dass ich mich einfach an den Karpfenfuttern orientiere kann, die die Teichwirte ihren Karpfen geben. Was ich dabei vergessen hatte – diese Futter sind Ergänzungs- und Mastfutter! Eben, weil die Karpfen, extensiv gehalten, also auch Naturnahrung zur Verfügung haben.

In unseren Teichen ist es mit Naturnahrung nichts – also brauche ich kein Ergänzungsfutter, sondern ein Vollwertfutter.

Deshalb ist es auch falsch, sich bei der Zusammensetzung eines Koifutters, an dem für Karpfen zu orientieren, besser ist es, sich an dem für andere Speisefische zu orientieren, die ein Vollwertfutter benötigen, wie z.B. Forellen.

Wie wird Koifutter hergestellt?

Die Rohstoffe werden in einer Futtermühle zu einem Koifutter gemischt und dann in der Regel extrudiert. D.h. unter Wärme und Druck zu Pellets gepresst. Diese haben entweder eine Dichte über oder unter 1 damit sie schwimmen oder sinken.

Die Pelletgröße variiert je nachdem für welche Fischgröße sie sind. Da ich in meinem Teich sowohl kleine als auch große Koi habe, nehme ich nie Pellets, die größer sind als 4,5 mm, die können auch meine Kleinen gut fressen.

In der Natur gründeln Koi, also fressen vorwiegend vom Boden, deshalb ist Sinkfutter eigentlich besser – aber natürlich ist Schwimmfutter für mich schöner…. Weil ich dann meinen Fischen beim Fressen zusehen kann. Schwimmfutter hat noch einen weiteren Nachteil, es kann zu einer schlechteren Körperform führen, weil der Koi, der ja ein unterständiges Maul hat, sich ziemlich verbiegen muss um an der Oberfläche zu fressen.

Wie kommt der Handel nun an sein Koifutter? Der Handel hat im Grunde drei Möglichkeiten

  1. Er kauft ein bestehendes Fischfutter und labelt es um zu Koifutter.
    1. Beste Marge
    2. Vermutlich schlechteste Qualität bzw. passt am schlechtesten zu den Bedürfnissen unserer Koi
  2. Er lässt sich ein eigenes Fischfutter in einer Futtermühle produzieren, geht erst aber eine Bestimmten Menge d.h. ist nur was für große Abnehmer
    1. Marge je nach zu erzielendem VK (hängt ab vom Marketing)
    2. Kann eine gute Qualität haben, muss aber nicht
  3. Er kauft ein fertiges Koifutter und verkauft es unter dem Originalnamen weiter
    1. Marge hängt ab vom Mitbewerb
    2. Kann eine gute Qualität haben, muss aber nicht

Ideal wäre, wenn wir unsere eigenen Futtertest machen können um die Futterverwertung, den Schmutzeintrag, die Qualitätsentwicklung der Fische selber beurteilen könnten – geht aber nicht.

Also gibt es nur den Weg, es auszuprobieren. Ich mache es so, dass ich mir unterschiedliche Futtersorten kaufe, diese durch ergänzende Zutaten, wie Vitamine (Multisanostol) und Immunstimulanzien aufwerte und dann verfüttere.

Dabei gibt es für mich folgende Auswahlkriterien

  1. Ich kaufe nicht das billigste Koifutter und nicht das teuerste
  2. Ich kaufe Forellenfutter (bei der Futtermühle)
  3. Ich kaufe Störfutter (beim Futterhersteller nicht im Koihandel)
  4. Ich kaufe Schwimmfutter und Sinkfutter

Und mit all diesen Maßnahmen erreiche ich bei meinen Fischen ein gutes Wachstum und eine vollwertige Ernährung.

Natürlich gehört dazu auch ein geeignetes Futtermanagement – doch dazu mehr in einem weiteren Beitrag.

Für Fragen und Anregungen bitte gerne unter info@koi-consult.de oder 02236 3228891