Koi richtig füttern

Da das Thema Futter scheinbar die Koihaltergemüter berührt und da das Thema sehr komplex ist, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, genauer auf das Füttern einzugehen.

Futterbedarf

Wie ich bereits geschrieben habe, benötigen Koi ca. 1% pro kg Körpergewicht und 24 h an Futter als Erhaltungsbedarf und bis zu 2% / kg Körpergewicht / a um zu wachsen und sich entsprechend ihren Möglichkeiten zu entwickeln.

Dabei hängt der Futterbedarf und die Futterverwertung von vielen Faktoren ab. Zentrale Bedeutung kommt der Wassertemperatur zu. Der Koi als wechselwarmes Lebewesen hat immer die Körpertemperatur des ihn umgebenden Wassers. Damit laufen alle Stoffwechselprozesse unterschiedlich schnell ab. Erhöht man z.B. die Wassertemperatur von 10°C auf 25°C dann verringert sich die Verdauungszeit um die Hälfte.

Gleichfalls braucht ein Koi auf Grund der höheren Wassertemperatur auch mehr Futter als bei kaltem Wasser. Dafür kann der Koi die Futtermenge bei warmen Wasser auch komplett in Wachstum umsetzen. Letztlich kenne ich keinen Koihalter der nicht möchte, dass seine Koi wachsen.

Neben der Wassertemperatur hängt der Futterkonsum natürlich auch von den anderen Wasserwerten ab, das hier gesagte setzt voraus, dass die alle im grünen Bereich sind. Sollten die Wasserwerte Grenzwertig sein, so kann meiner Ansicht nach die Lösung nicht darin bestehen, am Futter zu sparen – dies kann und sollte immer nur eine Übergangslösung sein – nicht aber die Regel.

Koichteichbau Umweltparameter

Hier gilt es, heraus zu finden, warum die Wasserwerte nicht passen und Abhilfe zu schaffen. Bei Fragen einfach bei mir melden, es gibt immer eine Lösung.

Natürlich sollten sie auch ein gutes Koifutter verwenden. Hier gilt die Devise Versuch macht Kluch (Klug). Ein Anhaltspunkt sind die Futterkosten, ein gutes Futter darf 10 € pro kg kosten, dann ist Gewährleistet, dass der Hersteller gute Zutaten verwenden kann. Ist das Futter viel billiger, besteht zumindest die Gefahr, dass hier bei der Qualität gespart wird.

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Ausgehend von einem hochwertigen Koifutter (bitte kein Karpfenfutter verwenden) kommt es nun auf das Wie an, um für die Koi das Beste daraus zu machen.

Wenn ich an Koiteiche komme sehe ich fast immer fette Koi und dünne Koi. Das ist so, weil die Teichbesitzer falsch füttern. In diesen Fällen wird üblicherweise 3 bis 4 Mal pro Tag gefüttert und immer so viel wie in ein paar Minuten weg ist. Das führt dazu, dass stürmische Koi sich schnell alles einverleiben und schüchterne Koi nix oder nicht genug abbekommen. Ein weiterer Nachteil der sich aus dieser Art der Fütterung ergibt ist die stoßweise Wasserbelastung.

Wenn man es besser machen möchte, sollte man sich einfach an der Natur orientieren. In der Natur frisst der Karpfen während der vollen 24 h. Er sucht sich durch Gründeln seine Nahrung und wenn er genug hat, dann macht er Pause. Sobald er wieder Hunger hat, sucht er wieder.

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Diesem Verhalten kann man auf einfache Weise entgegen kommen. Man nimmt einen Futterautomaten und füttert alle zwei Stunden eine gleichbleibende Menge. Mit den heute verfügbaren Futterautomaten kann man sogar die Futtermenge einstellen, die in 24 h gefüttert werden soll. Ich mache es so, dass ich grob das Fischgewicht im Teich ermittele. Dann stelle ich meinen Futterautomaten so ein, dass er ab 16 Uhr alle zwei Stunden die entsprechende Menge Futter in den Teich fallen lässt. Dies geschieht bis 10 Uhr am Vormittag. Zwischen 10 und 16 Uhr füttere ich nicht, damit die Fische nicht an die Oberfläche kommen und Schaden durch das Sonnenlicht nehmen.

Ein weiterer wichtiger Parameter ist der, dass die Futtermenge so lange verfügbar sein muss, bis auch der letzte Koi mitbekommen hat, dass es Futter gibt. Nach meiner Erfahrung sind das 30 Minuten.

Ich füttere während des ganzen Jahres mit einem teilsinkenden Koifutter in einer 3 mm Körnung, weil das Futter vom Boden aufzunehmen dem Koi mehr entgegen kommt. Die kleine Körnung hat eine bessere Verdauung zur Folge.

Wer auf das selber füttern nicht verzichten will, kann auch die Fütterungen über Tag selber machen und lässt nur Nachts über den Automaten füttern.

Der tolle Nebeneffekt dieser Methode besteht darin, dass ich eine gleichbleibende Wasserbelastung erzeuge und damit einen viel besseren Biofilter bekomme. Denn Filterbakterien brauchen auch Nahrung um sich zu entwickeln.

Ich füttere mit dieser Methode seit vielen Jahren und habe damit sehr gute Ergebnisse was das Wachstum und die Entwicklung der Koi angeht.

Ich denke jeder kennt den Spruch „ du bist was du isst“, das Futter ist maßgeblich daran beteiligt, dass unsere Fische gesund sind und gesund bleiben. Wenn ich beim Füttern Fehler mache oder einige Fische zu wenig Futter bekommen, wie sollen diese Fische dann gesund bleiben?

Zusammenfassung: Koi benötigen bei optimaler Wassertemperatur von 23° – 25°C ca. 2% Futter in 24 h. Diese Menge kann aber nur verabreicht werden, wenn über 24 h verteilt gefüttert wird. Wenn sie das aber tun, erzielen sie eine optimale Futterverwertung (Wachstum und Gesundheit) bei einer gleichbleibenden Wasserbelastung.

Wenn sie über 24 h verteilt füttern dann würde ich mich statt an den 2% aber noch viel mehr an den 30 Minuten orientieren, der Zeit bis das letzte Krümelchen Futter von den Koi verputzt ist.

Ein Hinweis noch zum Skimmer. Natürlich muss der Skimmer während dieser Zeit in der das Futter auf der Wasseroberfläche schwimmt aus sein! Dazu gibt es mehrere Methoden, bei Interesse sprechen sie mich einfach an.

Robert Jungnischke

Bildquellen: Umweltbedingungen Quelle: Prof. Dr. habil. Kurt Schreckenbach, „Fisch vom Hof“ DLG Verlag, Seite 88.

Futtermenge: Bohl Zucht und Produktion von Süßwasserfischen Verlag Union Agrar